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McNeil River – Alaska - Der
Fluss der Bären McNeil River – Alaska! Einmal dorthin zu dürfen, das war
unser Traum nachdem wir in Alaska im letzten Jahr einen Film über diesen Ort
gesehen haben…. Was ist
eigentlich McNeil River? Und wo ist das überhaupt? Das
Naturschutzgebiet rund um den McNeil River befindet sich im Südwesten Alaskas,
nördlich des Katmai Nationalparks. Hier kann man die weltweit größte
Ansammlung von Braunbären während der Sommermonate beobachten. Das besondere
daran ist, dass man die Bären in ihrer natürlichen Umgebung „hautnah“
erleben kann, ohne Zaun oder Gitter. Das Naturschutzgebiet ist frei von Straßen,
Autos und jeglicher Zivilisation und daher auch nur mit dem Wasserflugzeug zu
erreichen. Da die
Besucherzahlen am McNeil River stetig anstiegen beschloss man im Jahr 1973 die
Besucherzahl durch die Einführung eines speziellen Losverfahrens zu begrenzen.
Und dieses Losverfahren ist es auch, das unsere Hoffnung, jemals dorthin zu
kommen kleiner und kleiner werden lässt.... Schließlich ist McNeil River ein
ganz besonderer Ort um Bären in freier Wildbahn zu beobachten... Nur jeweils 10
Personen dürfen für jeweils 4 Tage im Zeitraum Juni bis August das Bärengebiet
besuchen und die Bären „hautnah“ erleben. Und da sollen ausgerechnet wir
das Glück haben?! Aber es kommt
alles anders: Schon Anfang April erreicht uns die Nachricht, dass wir tatsächlich
ein „Permit“ bekommen haben! Unfassbar! Wo doch andere jahrelang versucht
haben eines zu bekommen.... Wir beginnen
auch sofort mit den Reisevorbereitungen, denn eine Reise zum McNeil River ist
alles andere als ein Pauschal-Urlaub „All inclusive“! Zunächst
einmal gilt es, ein Wasserflugzeug zu chartern, denn wie bereits erwähnt,
McNeil River ist nur per Wasserflugzeug zu erreichen. Ein gutes, wasserdichtes
und sturmfestes Zelt muss her, außerdem natürlich ein Schlafsack, Matte,
Kochgeschirr und die Lebensmittel für die Dauer unseres Aufenthaltes.... Auch
über unsere Wasservorräte müssen wir uns Gedanken machen. Am McNeil River hat
man die Möglichkeit entweder Flusswasser oder Regenwasser zu trinken. Beides
sollte aber entsprechend aufbereitet werden, damit man keine gesundheitlichen
Probleme bekommt. Ganz wichtig sind die Hip-Boots (was ist das?!). Es dauert
eine ganze Weile bis wir herausfinden, dass es sich hier um Wat-Stiefel handelt,
also Gummistiefel, die bis zu Hüfte reichen. Unbedingt notwendig, denn der Weg
zum McNeil River führt durch einen Fluss. Schon die
Vorbereitung auf diese Reise ist ein echtes Erlebnis und steigert unsere
Vorfreude auf das, was uns dort erwartet. Unser Permit
gilt vom 17. bis 20. Juli. Schon am 16. Juli starten wir mit John, unserem
Wasserflugzeug-Pilot, von Homer aus in Richtung McNeil River. Wir sind ganz schön
aufgeregt! Nach ca. einer Stunde erreichen wir das Camp und schon bei der
Landung können wir Bären beobachten, die sich in der Nähe des Camps
aufhalten. Das Camp ist sehr einfach aber gemütlich. Eine Blockhütte dient als
Küche und Aufenthaltsraum. Hier müssen alle Lebensmittel verwahrt werden. Bären
haben eine sehr gute Nase und Lebensmittel im Zelt können zu unschönen Überraschungen
führen. Die Ranger, die
sich während der Sommermonate im Camp aufhalten, wohnen in einfachen Blockhütten.
Strom für z. B. das Funkgerät der Ranger wird umweltfreundlich durch
Solarenergie gewonnen. Der anfallende Müll wird ausgeflogen oder verbrannt. Der
einzige Luxus im Camp ist die „Sauna“. Die Sauna besteht aus einer kleinen
Blockhütte, in der sich ein Holzofen befindet. In der Sauna gibt es nur zwei
verschiedene Temperaturen: warm oder kalt... Der Holzofen heizt auch
gleichzeitig einen großen Kessel mit Wasser, das nach einem langen Tag an den
McNeil River Falls zum Waschen dient. Die Einweisung
der Ranger hier im Camp ist ziemlich deutlich: „Rund um das Camp ist Bärengebiet,
wir dürfen uns nur im Camp aufhalten. Keine Lebensmittel im Zelt! Keine
Essensreste im Camp ausschütten! Es kann schon mal passieren, dass ein Bär ins
Camp läuft. Dann bitte nicht weglaufen! Schön stehen bleiben, vielleicht ein
paar Steinchen nach ihm werfen, in die Hände klatschen und hoffen, dass er
wieder geht. Wenn möglich das Alarmsignal geben (eine „Tute“ ist in der
Blockhütte), damit der Ranger den Bären verjagen kann...“ Ein wenig
mulmig ist uns schon, wenn wir abends in unser Zelt kriechen. Schließlich gibt
es hier keine Zäune, die uns vor nächtlichen Besuchern schützen. Jeden Morgen
verlassen wir dann das Camp in Richtung McNeil River Falls in Begleitung eines
Rangers. Die Wanderung zum Beobachtungspunkt dauert ca. eine Stunde. Den ersten
Blick auf die McNeil River Falls werden wir nie vergessen: Mindestens 10
Grizzlys stehen im Fluss an einem kleinen Wasserfall und fischen Lachse! Wir halten uns
täglich zwischen sieben und acht Stunden dort auf und es ist keine Minute
langweilig! Nicht selten
geht ein Bär nur wenige Meter von uns entfernt vorbei. Eine Bärenmutter
mit 2 Jungen legt sich direkt neben uns und säugt ihre Jungen. Es kommt auch
vor, dass sie ihre Jungen bei uns lässt und fischen geht. Den gefangenen
Lachs teilt sie dann vor unseren Augen mit ihren Jungen und wir stehen direkt
daneben. Andere Bären
stehen stundenlang fast reglos am Wasserfall und warten geduldig auf ihre Chance
einen Lachs zu fangen. Die älteren,
erfahreneren Bären können schon schneller Erfolge verzeichnen und man sieht
sie viele Male am Tag ihren Fang genüsslich am Ufer verzehren. „Diebe“
verschwenden ihre Zeit nicht damit, selbst zu fischen. Sie versuchen dem
erfolgreichen Jäger den Lachs wegzunehmen, was nicht selten erbitterte Kämpfe
zur Folge hat. Jüngere
Bären, denen noch keine „Fangplätze“ am Wasserfall zustehen, versuchen ihr
Glück, in dem sie in einen Schwarm Lachse springen, was allerdings nur selten
zum Erfolg führt. Es ist ein
unbeschreibliches und unvergessliches Erlebnis, diese wundervollen Tiere aus nächster
Nähe beobachten zu dürfen! Wir haben
erfahren, dass der Grizzly keine aggressive Bestie ist, sondern viel mehr ein
friedliebendes Tier, in dessen Nähe man sich gefahrlos aufhalten kann, wenn man
gewisse Regeln befolgt. Für den
Grizzly ist es wichtig, dass es Gebiete wie das McNeil River State Game
Sanctuary gibt, die ihn in seiner natürlichen Umgebung schützen und erhalten.
Tief
beeindruckt sind wir von den Rangern Larry, Tom und Josh, die sich während
dieses Sommers im McNeil River State Game Sanctuary aufhalten. Sie machen hier
einen tollen Job, fernab von jeglicher Zivilisation, umgeben von Grizzlys. Ihrem
unermüdlichen Einsatz für dieses Projekt ist es zu verdanken, dass wir diesen
wundervollen Ort besuchen konnten. Ellen
Hartmannshenn und Heiko Kraft
(Juli 2003)
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